Kinder mit Superheldenmasken

6. Mai 2026

Musikvermittlung

Ich kann nicht singen

Das ist so ein Satz, der sich in vielen Köpfen festgesetzt hat – irgendwo zwischen „Ich bin halt unmusikalisch“ und „Das dürfen nur die, die’s wirklich können“. Und jedes Mal, wenn ich ihn höre, denke ich: Okay. Genau deshalb bin ich hier.

Denn Musikvermittlung ist für mich nicht nur „Musik näherbringen“. Es ist Community Building. Es ist ein soziales Versprechen: Wir machen einen Raum, in dem Menschen sich zeigen dürfen. Und in dem Musik nicht Leistung ist, sondern Verbindung.

Workshops als Mini-Gemeinschaften auf Zeit

Ein Workshop dauert ca. 45 oder 90 Minuten – aber in dieser Zeit kann eine kleine Gemeinschaft entstehen.

Nicht, weil plötzlich alle „perfekt“ sind. Sondern weil alle merken: Ich bin hier nicht allein. Wir hören gemeinsam. Wir probieren aus. Wir reagieren aufeinander. Wir halten es aus, wenn etwas schief klingt – und wir merken, dass genau daraus oft die besten Ideen entstehen.

Ich arbeite viel in Klassenzimmern, mit Gruppen, in Kooperationen quer durch Österreich. Und egal ob Volksschule, Jugendgruppe oder Erwachsene: Das Grundprinzip ist ähnlich.

Wenn Menschen in einer Gruppe kreativ werden, passiert etwas Magisches (und sehr Un-Instagrammable): Es raschelt, es ist kurz chaotisch, jemand kichert, jemand wird mutig, jemand wird still und hört wirklich hin. Und irgendwann ist er da – dieser Moment, in dem die Gruppe „zusammenkommt“. Nicht im Sinne von „alle gleich“, sondern im Sinne von: Alle tragen etwas bei.

Warum mir der soziale Aspekt so wichtig ist

Musik ist nie nur Klang. Musik ist immer auch: Wer darf mitmachen? Wer fühlt sich willkommen? Wer hat schon gelernt, dass „kreativ“ angeblich nur für bestimmte Leute ist?

Ich wünsche mir Workshops, die genau diese Grenzen weich machen.

Nicht als große politische Ansage, sondern ganz praktisch:

  • Wenn jemand, der sonst nie spricht, plötzlich einen Rhythmus startet – und die Gruppe folgt.
  • Wenn jemand, der „nicht kreativ“ ist, eine Idee hat, die alle weiterbauen.
  • Wenn aus „peinlich“ ein „haha, okay, nochmal“ wird.

Das ist Empowerment mit Musik: nicht von oben herab, sondern von innen heraus. Die eigene Stimme finden. Den eigenen Klang ernst nehmen. Und spüren: Ich kann etwas gestalten.

„Jeder kann kreativ sein“ (ja, wirklich)

Ich meine das nicht als Kalenderspruch. Ich meine es als Erfahrung.

Kreativität ist nicht „schön malen“ oder „richtig singen“. Kreativität ist: Entscheidungen treffen. Möglichkeiten sehen. Mut haben, etwas vorzuschlagen. Und manchmal auch: sich trauen, etwas wieder zu verwerfen.

In meinen Workshops versuche ich deshalb, Übungen so zu bauen, dass sie nicht nach „richtig/falsch“ schmecken, sondern nach „probier mal“. Wir arbeiten mit Stimme, Körper, Rhythmus, kleinen Rollen, Geschichten, Geräuschen, Musikstücken – je nachdem, was zur Gruppe passt.

Und dann passiert oft etwas sehr Beruhigendes: Menschen merken, dass Kreativität nicht an Talent hängt, sondern an Erlaubnis.

Community Building heißt: Wiederkommen wollen

Mein Ziel ist nicht, dass jemand nach einem Workshop sagen kann: „Ich weiß jetzt, was ein Crescendo ist.“ (Okay, auch nett.)

Mein Ziel ist eher: „Ich will wieder so einen Raum.“

Einen Raum, in dem man gemeinsam hört, gemeinsam lacht, gemeinsam ausprobiert. Einen Raum, in dem Musik nicht exklusiv ist, sondern ein Werkzeug für Zugehörigkeit.

Wenn wir das schaffen – auch nur für eine Stunde – dann war es nicht „nur ein Workshop“. Dann war es eine kleine Gemeinschaft. Und vielleicht der Anfang von etwas Größerem.

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